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Wachsender Tieraktivismus in China

2. Mai 2014

Emily Jeffery ist 21 Jahre alt und zurzeit in ihrem letzten Studienjahr in England. Sie strebt einen Abschluss in Medien und Kommunikation mit Schwerpunkt Journalismus an.

Tierschutz liegt Emily sehr am Herzen. Für die Zukunft will sie daher ihr Talent zu Schreiben nutzen, um die Aufmerksamkeit für dieses Thema zu erhöhen und gegen Grausamkeit an Tieren zu kämpfen.

Wir waren froh, dass sie die Möglichkeit hatte, mehr über unsere Arbeit zu erfahren und ihre Artikel auf unserer Webseite zu veröffentlichen. Wir wünschen ihr für ihren künftigen beruflichen Werdegang viel Glück und Erfolg.

China animal rights slogan

("Essen gibt es reichlich, unsere tiereischen Freunde dagegen sind nur Wenige." - Populärer Tierrechts-Slogan in China)

 

Von Emily Jeffery

Dieser Tage scheint es unmöglich zu sein, den Fernseher anzuschalten oder ins Internet zu gehen, ohne drastische Bilder über das Leid von Tieren in Asien zu sehen.

Im Westen ist man der Meinung, dass diese unvorstellbare Grausamkeit an unseren Mitgeschöpfen ein Aspekt der asiatischen Kultur sei.

Doch in China bewegt sich etwas, und das bereits seit geraumer Zeit. Immer mehr Bürger wenden sich ab von Fleisch, Fell und einer Medizin, die für so viel Leid verantwortlich ist und sie sind entschlossen, gemeinsam für eine Zukunft mit mehr Mitgefühl zu kämpfen.

Sie erheben ihre Stimme gegen grausame Industrien und in immer mehr Heimen in China gibt es jetzt Begleittiere, deren Liebe und Zuneigung die Mitbewohner schätzen.

Eujiae Jo, 21, ist so ein bekennender Tierliebhaber in China. Er ist überzeugt, dass die wachsende Zahl chinesischer Bürger mit einem Begleittier für den Tierschutzgedanken in Asien einen großen Fortschritt bedeutet.

„Bei Tieren werde ich zum Softie, besonders bei Hunden. Ich habe einen einjährigen Langhaar-Chihuahua. Seit kurzem ändert sich die Einstellung gegenüber Tieren. Besonders bei jungen Menschen wie mir. Wir wollen Begleittiere als Haustiere und ich bin überzeugt, dass wir ihnen mehr Mitgefühl zeigen, als Generationen vor uns.“

Die Zahl junger Chinesen, die gegen Tierquälerei protestieren, steigt zweifellos an. Viele nutzen dabei den Slogan: „Essen gibt es reichlich, unsere tiereischen Freunde dagegen sind nur Wenige."

Zwar ist die Bedeutung des Tierschutzes in China in letzter Zeit stark gewachsen, doch es gibt Personen und Organisationen, die den Kampf für den Tierschutz in Asien schon seit Jahrzehnten führen. Das sind die wahren, unbesungenen Helden des Tieraktivismus in China. Menschen, die ihr Leben der Umsetzung einer Veränderung des Bewusstseins widmen, nicht nur einfach durch Lobbyarbeit bei Regierungen für eine neue Politik, sondern durch die Arbeit mit Bürgern vor Ort, um deren Einstellung zu verändern, wie sie Tiere sehen und schätzen.

Seit mehr als fünfzehn Jahren steht Animals Asia an vorderster Front, um die Grausamkeit an Tieren in Asien zu beenden.

Trotz der wachsenden Zahl von Berichten über die grausame Behandlung von Tieren in Asien hat Jill Robinson, Gründerin und CEO von Animals Asia die besonders stark steigende Zahl chinesischer Bürger gesehen, denen das Tierwohl am Herzen liegt.

„Das Thema Tierschutz ist in den letzten 5-10 Jahren in China explodiert. Als ich 1985 mit meiner Arbeit in diesem Land begann, gab es nur eine Tierschutzgruppe in Peking. Jetzt sind es über 100, die im ganzen Land verteilt sind.

„Heute arbeiten wir mit diesen Gruppen bei Konferenzen, Tierschutzinitiativen, Workshops und Trainingsprogrammen zusammen, um den Wildtieren und den Begleittieren eine Stimme zu geben und überzeugende Argumente zu liefern, warum sie nicht mehr länger für die Unterhaltung, als „Medizin“ oder als Nahrungsmittel ausgebeutet werden sollen.“

Seit über 20 Jahren arbeitet Jill daran, die Bärengallefarmen in Asien zu schließen. Wenn man die endlosen Geschichten über die weitverbreitete Grausamkeit hört, die Bären in so großer Zahl erleiden müssen, wäre es einfach sich vorzustellen, dass jeder Versuch dagegen anzukämpfen fruchtlos ist. Doch wie Jill die Arbeit beschreibt, die sie und andere bei Animals Asia für eine andere Geisteshaltung investieren und die Regierung beeinflussen, wird klar, wie weit das Land schon gekommen ist.

Jill ist sich sicher, dass die weiteren Anstrengungen von Animals Asia und der chinesischen Öffentlichkeit dazu führen, dass die barbarische Praxis der Bärengallefarmen zu einem schamhaften Teil der Vergangenheit der Nation werden wird.

„Speziell in China sind Bärengallefarmen heute ein großes Thema. Zwar sind sie noch legal hier, doch die Öffentlichkeit wird sich dieser schlimmen Praxis immer mehr bewusst und sie versteht, dass es nicht nur um das Einsperren und das Töten von Bären in großer Zahl geht, sondern dass dies auch für die Menschen selbst schädlich sein kann. Die Galle dieser kranken Tiere ist voller Verunreinigungen und Krankheitskeime. Mehr als 30% der Tiere sterben am Ende an Leberkrebs. Das ist eine Schande, wenn man weiß, dass Pflanzen und synthetische Mittel billige und einfache Alternativen sind, um die Bärengalle zu ersetzen.“

Nicht nur Wohltätigkeitsorganisationen arbeiten in China zum Wohl missbrauchter Tiere. Auch viele ältere Bürger entscheiden sich ihr Leben den streunenden und ausgesetzten Tieren zu widmen, die ansonsten in den Straßen verhungern und sterben müssten.

In den letzten Jahren ist die Tierschutzbewegung in China stärker und zahlreicher geworden und ist jetzt eine Kraft mit der man rechnen muss. Erfolgreich haben Aktivisten blutige Sportarten und Vergnügungen verhindert, bei denen Tiere beteiligt waren.

Warum ist der Tierschutz jetzt so plötzlich nach so vielen Jahren der Unterdrückung angekommen? Peter Li PHD, Associate Professor für Ostasiatische Politik an der Universität Houston und Experte für chinesische Politik bei der Humane Society International argumentiert, dass die westliche Sicht auf die asiatische Kultur nicht so genau ist, wie manche denken.

„Im Westen gibt es Viele, die das Problem nicht genau sehen. Doch man kann ihnen keinen Vorwurf machen. Wir können doch nicht annehmen, dass jeder im Westen ein Chinaexperte ist, oder? Ja, China hat ein massives Problem mit dem Missbrauch von Tieren.

„Zunächst, China hat wahrscheinlich die größte Zahl von Tieren in der Welt. Bei der Nutztierhaltung ist es Weltmeister. In China werden mehr Tiere auf Farmen als Nahrungsmittel gezüchtet und wir wissen, dass die Massentierhaltung für die Tiere grausam ist. Daher ragt China nach der Zahl der Tiergrausamkeiten weltweit hervor. Nicht weil der Charakter der Chinesen die Misshandlung der Tiere in den Farmen bewirkt – es ist vielmehr die moderne Tierhaltung, die China vom Westen übernommen hat, die für das massive Leid in der Massentierhaltung verantwortlich ist. Wer daher die Chinesen wegen der Grausamkeit bei Farmtieren anklagt ist nicht ganz fair. Wer hat denn die Massentierhaltung entwickelt und eingeführt?

„Zum zweiten hat China eine Tradition des Verzehrens von Wildtieren. Zwar war dies nie ein Hauptteil in der Ernährung für den durchschnittlichen Chinesen. Traditionell war es beschränkt auf die Grenzregionen Chinas im Süden. Es war die Nahrung der so genannten ‚südlichen Barbaren‘. ‚Nahrung von den Bergen und den Seen‘ war für die reichen, mächtigen Menschen damals bezahlbar, doch für den Durchschnitt nicht. Heute ist der Verzehr von Wildtieren und der damit einhergehende Missbrauch, auf Farmen oder durch den Fang in der Wildnis, auch kein Teil der hauptsächlichen Kochkultur in China, doch es wird von Unternehmen im Rahmen von Geschäftsessen gefördert.

„Zum dritten lebten Chinesen, die älter sind als 50, in einer der dunkelsten Zeiten der chinesischen Geschichte. Wie können wir von solchen Menschen erwarten, für die größte aller benachteiliger Gruppen, Tiere,  Mitgefühl zu zeigen? Diese Menschen erlebten Härten, wurden Zeugen von Brutalität an ihren Mitmenschen. Sie sind die größte Gruppe in China, deren Gefühl abgestumpft wurde.“

Herr Li weist auch darauf hin, dass historisch gesehen die chinesische Kultur nicht gleichgesetzt werden kann mit Gefühllosigkeit und Grausamkeit gegen Tiere, wie wir es heute annehmen.

„In China hat das Mitgefühl mit Tieren eine Tradition, was vielen sowohl in China als auch außerhalb unbekannt ist.

„China hat eine Taoistische und Buddhistische Tradition, die zum Mitgefühl gegen Tiere auffordert“

Herr Li ist überzeugt, dass die weitere Information der jüngeren Generation dem Tierschutz in China eine helle Zukunft sichert:

„Die jüngere Generation ist der Idee des Mitgefühls gegenüber Tieren mehr aufgeschlossen. Nicht so wie die Generation ihrer Eltern, hat die junge Generation nur beschränkte Erfahrung mit Not. Ihr wurde das Mitgefühl auch nicht ausgetrieben.“

Da immer mehr junge und alte chinesische Bürger lernen, Wildtiere und zahme Tiere für ihren individuellen Wert außerhalb des direkten Nutzens für den Menschen zu schätzen, scheint der weitere Wandel sicher zu sein.


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