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Ein Tag im Rettungszentrum für Bären in Vietnam

9. Juli 2014

Bears foraging 1

Die Betreuung eines Rettungszentrums voll Mond- und Sonnenbären hat viele Gesichter und geschieht rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Annemarie Weegenaar, Direktorin der Bären- und Tierarztteams im Rettungszentrum für Mondbären von Animals Asia in Vietnam beschreibt einen Tag im Rettungszentrum aus der Sicht des Managements als Tagebucheintrag vom April 2014.

Der Morgen im Bärenrettungszentrum in Vietnam (VBRC) begann um 8 Uhr mit einem Meeting der Bärenmanager und der Vorarbeiter der Bärenteams in den fünf Bärenhäusern. Alles wurde durch unsere qualifizierten Dolmetschern übersetzt. Heute beginnen wir mit dem vierteljährlichen Wiegen. Das Bärenteam geht hinüber zum Bärenhaus und schiebt dabei Schubkarren voller Futter. Verschiedene Früchte und Gemüse und dazu etwas Hundefutter sind die tägliche Kost der Bären. Dazu gibt es noch anregende Leckereien und auch Spielzeug entsprechend einem vierwöchentlichen Turnus wobei nicht zwei Tage hintereinander dasselbe geboten wird. Das Team für die Bärenküche beginnt um 7 Uhr damit alles rechtzeitig fertig ist.

setting up enclosure 2

Gegen 9 Uhr, wenn das Team bereit ist, die Bären in ihre Freigehege zu lassen, gehe ich mit Äpfeln, getrockneten Bananen und einem Topf Joghurt für die etwas wählerischen Bären auch hinüber. Der Käfig auf der Waage wird an die Behausung herangefahren. Die Bären, die heute nicht gewogen werden, dürfen raus. Einer nach dem anderen kommen dann die 10 Bären in die Behausung wo die Waage steht. Die Tür öffnet sich, der Bär geht hinein und wird dafür belohnt, während des Wiegevorgangs still zu stehen. Wenn das vorbei ist wird das Gewicht in unsere Datenbank eingetragen. Wir erkennen Gewichtsveränderungen je nach Jahreszeit. Da jetzt in Nordvietnam Winter ist, sind die Bären am schwersten.

Gudrun_Ti Map Health check

Gegen 9 Uhr machen zwei Tierkrankenschwestern sich zu einem gesundheitscheck bei Joey, einem unserer Jungbären bereit. Alle zwei Jahre werden unsere Bären unter Narkose untersucht, um sicherzustellen, dass wir bei der äußerlichen Begutachtung keine Krankheiten übersehen haben. In den folgenden zwei Stunden wird ihm dabei Blut abgezapft, der Bauch mit einem Ultraschallgerät untersucht und seine Zähne und Augen überprüft. Zum Glück ist Joe kerngesund und kann wieder ins Welpenhaus zurück, wenn er sich erholt hat.

Tuan Bendixsen, unser Direktor in Vietnam ist heute auch hier. Er trifft sich mit verschiedenen Gruppen wegen einer Veranstaltung die für das Wochenende hier im Zentrum geplant ist. Eine Gruppe Unterstützer aus Hanoi will per Fahrrad zu uns in den Tam Dao Nationalpark fahren, um auf das Schicksal der Bären aufmerksam zu machen. Eine wunderbare Initiative und ein Zeugnis dafür, dass die Menschen in Vietnam das Ende der Bärengallefarmen wollen.

Gegen Mittag ziehen unsere Mitarbeiter alle die Arbeitskleidung aus, um zum Eingang des Nationalparks zu gehen wo die Kantine das Mittagessen serviert. Die meisten unserer Mitarbeiter wohnen in der Umgebung und sie gehen für eine kurze Mittagspause nach Hause.

Um 2 Uhr ist unser Bärenteam wieder zurück und sie rufen die Bären zurück in die Häuser. Während der kühleren Wintermonate sind einige unserer Bären nicht so aktiv und sie haben weniger Appetit, dadurch reagieren sie langsamer. Dennoch sind sie schon nach einigen Minuten nachdem die Glocke erklingt wieder drinnen. Das Bärenteam geht in das Freigehege, um Futter und Leckerbissen zu verteilen. Futter wird im ganzen Gehege verstreut, um den Futtersuchinstinkt anzuregen. Einer der Bärenarbeiter klettert geschickt auf ein Klettergerüst, um ein Seil dort zu befestigen, an dem ein Spielzeug aus Bambus hängt. Ein Bär hatte das Seil durchgekaut. Das Gärtnerteam schneidet das Gras unter dem Elektrozaun, wenn es wärmer wird, wird es wieder schnell wachsen.

Taurus playing in hay

Einer der Höhepunkte bei der Arbeit mit Bären ist, sie zu beobachten wenn sie beim Glockenschlag herauskommen, um nach dem schmackhaften Futter zu suchen. Luca versuchte eine Birne von einem großen Futterball zu angeln, er schien etwas zurückhaltend gegenüber diesem weißen Objekt zu sein und nachdem er es mehrere Male umkreist hat, entschied er sich, dass es wohl nichts wird mit der Birne und er gab auf. Bald danach bemerkte Taurus die Birne und holte sie sich ohne große Mühe. Nachdem die Bären gefressen haben bleibt ihnen viel Zeit zum spielen. Lotus rauft gern mit Gus und Chocolate. Weiter hinten haben Murko und Mema viel Spaß. Unsere Bären spielen zu sehen nach all dem was sie durchgemacht haben ist wunderbar. (Spielen ist ein mögliches Zeichen für allgemeines Wohlbefinden bei Säugetieren. Wenn es ihnen nicht gut geht spielen sie auch nicht). Die meisten unserer Bären wurden viele Jahre lang in Bärenfarmen gehalten wo ihnen unter Schmerzen die Galle abgezapft wurde. Sie mussten in kleinen kahlen Käfigen und in einer völlig tristen Umgebung leben. Sie wurden schlecht ernährt, oft war es nur Reisbrei und vielleicht etwas Gemüse. Das alles hinterlässt tiefe Spuren, sowohl körperlich als auch seelisch. Doch wenn sie zu uns ins Rettungszentrum kommen, erhalten sie die notwendige medizinische Versorgung und dann beginnt das Erholungsprogramm. Das Leid und die Angst haben ein Ende. Mit der Zeit und guter Ernährung und dem Zugang zu einem naturnahen Freigehege sowie der Zusammenführung mit anderen Bären lassen die Bären ihre Vergangenheit hinter sich und beginnen zu lernen was es bedeutet ein Bär zu sein.

mema eating browse

Um drei Uhr Nachmittag gibt es eine Besprechung für einen Neubau. Unser Projektmanager informiert über den Fortschritt des Baus zweier neuer doppelter Bärenhäuser. Eine sehr aufregende Entwicklung denn damit haben wir mehr Platz für unsere hier lebenden Bären und wir können auch noch weitere Bären retten, die noch immer im ganzen Land in Gallefarmen leben.

Gegen 16:45 werden die Bären zum letzten Mal in ihre Häuser zurückgerufen. Heute bekommen sie eine Mischung aus Zuckerrohr und getrockneten Süßkartoffeln als Belohnung weil sie auf die Glocke gehört haben. Einige Bären bekommen täglich Medikamente gegen verschiedenste Krankheiten und danach gibt das Bärenteam die letzte Ration Hundefutter aus. Zu guter Letzt gib es noch ein Bananenblatt das die Bären gern in ihre Schlafkörbe mitnehmen. Viele fressen es, doch einige nutzen es zum Nestbau. Um 6 Uhr geht das Licht aus und die meisten Bären schlafen die ganze Nacht durch bis das Bärenteam am nächsten Morgen um 8 Uhr wieder erscheint.

Mema lazing

In jeder Abteilung des VBRC wird hart und hingebungsvoll gearbeitet, um sicher zu stellen, dass unsere geretteten Bären die bestmögliche Pflege erhalten. Mit Ihrer weiteren Unterstützung kommen wir dem Ziel näher, dass es in Vietnam keine Bärengallefarmen mehr gibt.A day at VBRC April 2014A day at VBRC April 2014


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