Die Bären von Nanning - August 2014

20. August 2014

Sechs Wochen nach den ersten Gesundheitschecks kehrten unsere Veterinärteams und Tierbetreuer Ende Juli wieder zurück zur Bärenfarm in Nanning, um dort weitere hilfsbedürftige Bären zu untersuchen.

Die Bären wurden aus ihren Ställen in das dafür eingerichtete Untersuchungszimmer in Stall 3 gebracht. Es war eine anstrengende Woche. Das Team anästhesierte Bären mit unbekannten medizinischen Problemen, die sich unter der Narkose unter Umständen als gefährlich herausstellen könnten. Trotzdem ist es eine Notwendigkeit, chronischen Schmerz zu lindern um beste Voraussetzungen für eine Genesung zu schaffen.

health check 1

Es war eine gute Woche. Die meisten Bären auf der Farm machten Fortschritte und diejenigen, die wir untersucht hatten, schnitten im Allgemeinen zufriedenstellend ab.

Lesen Sie mehr über die Gesundheitschecks im Nanning-Tagebuch.

Aber es war auch eine traurige Woche, in der wir uns von drei Bären verabschieden mussten – Thremba, der starb, bevor wir ihm helfen konnten, Gaius Musonius Rufus, geschwächt nach der Gesundheitsuntersuchung und Hazel, deren Zustand sich rasant verschlechterte. Angesichts der vielen Jahren des Missbrauchs und der Bedingungen, die die Bären auf der Farm aushalten mussten, scheinen 3 Bären eine geringe Anzahl zu sein. Dennoch ist es –  und wird das immer bleiben – ein zu hoher Preis.

Grave - themba

Lesen Sie hier die Geschichten der Bären.

Während unsere Tierärzte sich stundenlang auf die priorisierten Bären konzentrierten, waren das Bärenteam und Senior Bärenmanagerin Heidi damit beschäftigt, die Belegschaft der Bärenfarm umzuschulen, um einen neuen Pflegestandard für die Bären einzuführen. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Ernährung gelegt – eine Ausgewogene Kost mit frischen Früchten und Gemüse, variierend und in adäquaten Mengen, zu festen Zeiten. Freier Zugang zu Wasser und kühlende Schlauchduschen sind für die Bären bei brütenden Sommertemperaturen lebenswichtig und "alle Mann sind an Deck" um mitzuhelfen.

Bärenduschen zu geben ist aber weit davon entfernt, nur lästige Pflicht zu sein! Die Welpen in Stall 1 springen mitten ins Geschehen, spielen im Wasser, Boxen mit ihm, versuchen den Strahl mit der Zunge aufzufangen und purzeln vor Freude in ihren Behausungen herum. Diese als „Enrichment“ bezeichneten, regelmäßig über den Tag verteilen Spielmöglichkeiten halten die Bären aktiv und verbessern deren Wohlbefinden buchstäblich in großen Sprüngen.


Zuvor dürre, ängstliche Bären, die bei jeder Annäherung in die höchste Ecke des Käfigs kletterten oder sich erschrocken in ihre Höhlen verzogen, zeigen mittlerweile Anzeichen der Genesung. Physisch sind sie gesünder, haben klarere Augen, legen an Gewicht zu und tragen schönere Pelze zur Schau. Mental sind sie gelassener geworden – jetzt neugierig und ruhig – und sie knüpfen Beziehungen zu ihren Bärenkollegen beim Spielen, inspiriert durch ihre neue Umgebung.

Die älteren Bären in den Ställen 2 und 3 sind weniger ungestüm, lieben kühle Duschen aber mindestens ebenso. Sie legen sich hin, wenn das Wasser Pfützen um sie herum bildet, rollen sich darin hin und her um vollständig durchnässt zu werden oder bieten sich aufrecht stehend für eine Kopf- oder Prankendusche an.

shower bear shed 3

Diese älteren Bären bleiben wachsam. Sie reagieren vorsichtiger auf Annäherung und beobachten genau, was in ihren Ställen geschieht. In ihren Augen kann man den Vertrauensbruch, die Verletzungen und Schmerz erkennen, denen sie jahrelang ausgesetzt waren. Doch die Bären sind intelligent genug, die Veränderungen in ihrer Umgebung wahrzunehmen und ganz langsam verändern sie sich mit ihr. Bären, die einst stereotype Verhaltensweisen aufwiesen – Kopfwippen, Blutigreiben an Gitterstäben und Wänden, dauerndes im-Kreis-Laufen  – sitzen nun auf und nehmen Notiz.

Einige machen schnellere Fortschritte als andere, aber bei den meisten Bären lassen stressbedingte Verhaltensweisen nach.

 florence

Sanfte, zutrauliche Charaktere wie Florence...

blueberry

...und Blueberry beginnen aufzublühen.

Soraya

Und dann ist da Soraya mit ihrem temperamentvollen Funkeln in den Augen; immer bereit, sich zu messen.

sniffy

Das ist Sniffy in Stall 2, ein hübscher Bär, dessen enormer Kopf auf einem immer noch unterernährten Körper sitzt. Gelegentlich ist er neugierig und offen, doch wenn ihn sein tief verwurzelter Stress überkommt wird er oft hektisch und verfällt in stereotypes im-Kreis-Laufen. Sniffy wurden während seines Gesundheitschecks massiv beschädigte Zähne entfernt. Er frisst jetzt mehr und es wird genau darauf geachtet, das er zunimmt.

pops

Pops ist einer der männlichen Zuchtbären, die außerhalb der Hauptfarm gehalten wurden. Er ist seit seiner Gesundheitsuntersuchung wohlauf und liebt seine post-op-Medizin, die ihm in köstlichen, honigüberzogenen Marshmallows verabreicht wird.

smudge

Die kleine Smudge, das Nesthäkchen der Farm, gedeiht unter der Pflege von Heidi und ihrem Team und ist mittlerweile von ihrer pinken Waschschüssel zu einem richtigen Babybad aufgestiegen. Sie ist neugierig und verspielt und wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind und sie stark genug ist, wird sie die anderen jungen Bären treffen. Sie können sich dann an ihre neue Umgebung gewöhnen – in Gehegen statt Käfigen.

Während an den Bären die Gesundheitsuntersuchungen laufen, erhalten sie temporäre Namen von den Betreuern. Ihre dauerhaften Namen werden ihnen anschließend von Spendern verliehen.

Viele Bären haben noch keinen Namen:

cub shed 1

Mit etwas über einem Jahr ist dieser Welpe typisch für die Bären in Stall 1.

shed 3 bear

Etwas erwachsenere Bären leben in den Ställen 2 und 3 – sie befanden sich seit Jahren auf dieser und wohlmöglich anderen Farmen davor.

 Die „Nanningbären“ sind sicher in unserer Obhut und wir führen sie von der Farm in die Freiheit. Wir verwandeln die Farm in ein Rettungszentrum – Peace by Piece.

 Helfen Sie uns, das Leben dieser Bären zu verbessern: Engagieren Sie sich jetzt!


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