Die ersten Bären kommen im Rettungszentrum für Mondbären an
Donnerstag, 1. Juli 2010: Da waren sie also – die erste kleine Gruppe Bären, die endlich aus einer der brutalen illegalen Gallenfarmen gerettet werden konnten, die sich in der wunderbaren Gegend von Ha Long Bay in Vietnam verstecken.
Diese fünf Bären sind Teil einer Gruppe von 24 aus einer Farm, von der wir zuvor durch heimliche Aufklärung den Beweis erbracht hatten, dass dort den Bären illegal der Gallensaft abgezapft wurde. Sie sind auch Teil der ursprünglich größeren Gruppe von 80 Tieren, die illegal auf Farmen im Bezirk Ha Long Bay gehalten und dort entdeckt wurden. Für diese Gruppe hatten wir vor kurzem eine Briefaktion veranlasst, bei der wir 7.000 Einzelbriefe von Unterstützern erhalten haben, um sie der vietnamesischen Regierung weiter zu reichen.
Die Bären werden in kleinen Betonzellen gehalten, wo sie nur ein paar Schritte machen können.
Fast drei Jahre lang hat Tuan, unser Direktor in Vietnam, diese Kampagne geleitet und mit der Regierung verhandelt, Unterstützung von ENV (Environment Nature Vietnam), Free the Bears, Wildlife at Risk (WAR), und der World Society fort he Protection of Animals (WSPA) eingeholt und nie seine Bemühungen aufgegeben, diese Bären zu befreien.
Mit zusätzlicher Unterstützung von 13 ausländischen Botschaften in Vietnam hat sich die vietnamesische Regierung letzte Woche schließlich doch noch bewegt und uns in der vergangenen Woche informiert, dass wir die erste Gruppe der beschlagnahmten Bären erwarten können.
Die Planung und Durchführung der Rettungsaktion lag bei der Zentralen Forstschutzbehörde (FPD), die auf unbedingter Geheimhaltung bestand. Um eine Konfrontation zu vermeiden, trugen daher unsere Bärenpfleger, die vor Ort im Namen der FPD für die Aufnahme und die Pflege der Bären zuständig waren, ihre Animals Asia Uniformen nicht. Die ganze Aktion war sehr spannungsgeladen, doch nachdem die fünfstündige Reise in Begleitung der FPD überstanden war, kamen die Bären sicher im Rettungszentrum an.
Einige der Bären zeigten Anzeichen von schlechter Ernährung, andere hatten körperliche oder psychische Beschwerden. Bei einem Bären fehlt eine Vorderpfote und bei anderen sieht man Narben an den Köpfen, abgebrochene Zähne und stark aufgerissene Pfoten. Bei allen muss die beschädigte Gallenblase entfernt werden.
Jill Robinson, Gründerin und Leiterin von Animals Asia war bei der Ankunft der Bären in Vietnam:
„Wie stets kann man dieses Gefühl nicht beschreiben – Aufregung und Gänsehaut bei allen hier. Nach einer etwa fünfstündigen Fahrt waren die Bären endlich da. Bei der Ankunft waren sie alle überraschend ruhig. Kein einziges „Huuff“ war zu hören, (obwohl das Weibchen etwas erschöpft war und stereotypes Verhalten zeigte). Vier Männchen, ein Weibchen und weiterer klarer Beweis für den andauernden illegalen Handel, da einer der Bären offensichtlich in freier Wildbahn gefangen wurde.
Als erstes wurde das kleine Weibchen abgeladen. Wir nennen es PJ. Sie ist die am meisten gestresste von allen. Ein schlanker und ängstlicher Bär der viel Zuwendung brauchen wird in den kommenden Tagen.
Danach kam Halong mit seinen schlimm verhornten Tatzen da er nie auf festem Grund laufen durfte, sind si e trocken, aufgesprungen und bereiten ihm große Schmerzen), doch sonst ist er ein ruhiger, neugieriger Kerl der schon bei der ersten Fütterung das Spiel „Ich reibe meinen Kopf in der Futterschüssel“ erfand.
Danach wurde Max vom Laster geladen. Mit langen, schlaksigen Beinen und Wunden am Kopf. Auch er hat verhornte Tatzen, von denen Hautstreifen herabhängen. Sicher tut das weh, doch seine größte Herausforderung war wohl, sich an die eigenen Beine zu gewöhnen. Charly, der Bärenpfleger sagte, er erinnere ihn an ein Rehkitz und so wie Max da versuchte zu stehen und dabei die Knie zusammenpresste, war das nicht schlecht beobachtget von Charly. Dem armen Max fehlt auch die rechte Hälfte des Halbmondes.
Danach war Stanley an der Reihe – auch ein mageres Männchen, lang und dünn. Er lässt seine Zunge ständig heraushängen, fast wie ein Hund, und wir müssen sehen, ob sich dahinter ein Problem verbirgt. Aber zunächst einmal muss er sich in Tam Dao eingewöhnen.
Einer nach dem anderen werden die Bären in die Quarantänestation gebracht.
Zum Schluss, aber bestimmt nicht als letzter kam ein Männchen, dem der ganze rechte Vorderfuß von der Schulter abwärts fehlt. Mit seiner seltsamen Körperhaltung, seinem freundlichen Gesicht und den verhangenen braunen Augen erinnerte er mich sofort an Andrew, damals vor so vielen Jahren in Chengdu. Sein Name war klar, unser Andrew aus Vietnam – oder Vandrew! Nur die Kopfwunden vom Reiben an den Gitterstäben zeigen sein vom Farmaufenthalt ausgelöstes Trauma an. Es wird hoffentlich bald vergehen.
Wie immer fehlen die Worte für das Bärenteam und die Tierärzte, die sich vorbereiteten und unsere neuen Familienmitglieder so problemlos in die Quarantäne brachten. Aber auch für die Menschen in der Verwaltung, den Sicherheitsleuten, Instandhaltung, Öffentlichkeitsarbeit und im Kontakt mit den Behörden, die Tuan mit all den Vorbereitungen und Arbeiten bis zum letzten Augenblick unterstützten und dafür sorgten, dass alles so glatt verlief.“
Das Team von Animals Asia wartete, um den ersten betäubten Bären aus seiner Zelle zu bringen.
Vorsichtig wird jeder Bär zum Lastwagen gebracht und in einen Transportkäfig verladen.
Beim Aufwachen in den Transportkäfigen auf dem Nachhauseweg erhalten die Bären frische Früchte.
Zur Sicherheit wurden die Lastwagen von der FPD bis zum Rettungszentrum in Tam Dao begleitet.
Jill begrüßt zwei Beamte der FPD bei der Ankunft in Tam Dao – alle freuen sich!
Jill, Bärenmanagerin Pernille, Tierärztin Kirsty und Thao von der Verwaltung untersuchen jeden Bären und halten die Ergebnisse fest.
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