Alle sechs, zu Neujahr geretteten Bären erholen sich gut von der Entfernung der Gallenblase
Einen Monat nach der Rettung zu Neujahr, bei der sechs Bären aus einer illegalen Bärengallefarm in der Provinz Sichuan bei uns im Rettungszentrum von Animals Asia in Chengdu ankamen, hat jeder von ihnen die Operation zur Entfernung ihrer zerstörten Gallenblase erfolgreich überstanden.
Die Bären treten nun die letzten 45 Tage ihrer Quarantäne an. Danach liegt für sie die sorgfältig geplante Überführung in einen größeren Wohnbereich an.
Für alle Bären, die neu aus einer Gallefarme in China zu uns kommen, sind diese Operationen leider notwendig, denn die vorausgegangenen Operationen zur Bildung der Fisteln und das regelmäßige Abzapfen ihrer Galle haben irreparable Schäden verursacht. Für die meisten Bären stellt diese Operation das größte Hindernis beim Übergang von den Farmkäfigen in die Freigehege dar.
Katie war der letzte Bär, der operiert wurde. Sie ist etwas jünger und in besserem Zustand als die meisten. Doch sie litt noch an einem Gallenstein, der ihr langfristig unerträgliche Schmerzen bereitet hätte.
Sie war nach Peter an der Reihe, bei dem die Tierärzte versuchten, aus den während der Operation gewonnenen Erkenntnissen auf seine Vergangenheit zu schließen. Es schien, als wäre seine Gallenblase bereits entfernt worden – vielleicht waren die Farmer sehr interessiert daran, sie zu verkaufen. Ohne die Galle als Organ wäre Peters Wert geringer gewesen. Deshalb schien es für die Farmer wohl vernünftig, auch weiterhin zu versuchen, Galle aus seinem verbliebenen Gallengang abzuzapfen. Zumindest für einige Zeit. Seine Rettung kam wohl gerade noch rechtzeitig.
Peter kam zu uns in einem der kleinsten Käfige, den unsere Mitarbeiter je gesehen haben. Gerade Mal einen Meter lang, 50 cm breit und etwa 60 cm hoch. Wahrscheinlich hat er darin die meiste Zeit seines Lebens verbracht, kaum in der Lage, sich zu bewegen.
In ihrem Blog beschrieb Jill Robinson, die Gründerin von Animals Asia, den Moment, wie Peter nach seiner Überführung in einen größeren Erholungskäfig noch unter Narkose zum ersten Mal nach Jahren seine Beine strecken und aufstehen konnte:
„Etwa eine Stunde nach dem Aufwachen streckte Peter seine Hinterbeine und der ganze Erholungskäfig wackelte von seiner Anstrengung, auf allen vieren zu stehen. Es war klar, dass er nicht wusste, was er mit seinen Beinen anstellen sollte. Auch seine Nerven folgten ihm nicht und bei der kleinsten Bewegung sprang er erschrocken hoch und fauchte vor Furcht und Angst jeden an, bis er sicher war, dass nichts ihm mehr schaden würde.
Dieser tapfere Bär hielt durch – und heute ist ihm alles klar. Dieser kluge, neugierige Held steht jetzt groß und ruhig da und betrachtet nicht nur seine neue Umgebung, sondern uns. Er ist ein Bär mit einem wunderhübschen Gesicht. Peter liebt sein Futter, seine Streu und das Stroh. Doch am liebsten hat er seine Spielsachen aus Bambus.“
Diese Spielsachen sind mit diversen Leckereien bestrichen und werden ihm abwechselnd in unregelmäßigen Abständen angeboten, im Rahmen unseres „Beschäftigungsprogramms“, um ihn auf unterschiedliche Weise anzuregen. Sogar der CD Spieler des Rettungszentrums kommt um Einsatz und spielt Bärenmusik von den Beatles bis zu Beethoven oder auch Dschungelgeräusche. Die Bären mögen auch chinesische Popmusik der örtlichen Radiostation, doch bei gesprochenen Beiträgen fangen sie bald zu knurren an.
Später, wenn ihnen die Sonne auf den Rücken scheint und sie in den Freigehegen Gras unter ihren Sohlen spüren, können die Bären nach verstecktem Futter suchen und sie bekommen in geplanten Abständen Leckerbissen. So können sie wieder Bären sein und ihre natürliche Lebensweise zeigen.
Jill Robinson ergänzte::
„Diese Bären mussten viele Jahre in Käfigen verbringen und wir brauchen Geduld, um sie nach ihrer Ankunft an die offenen Räume und das Zusammenleben mit anderen Bären zu gewöhnen. Die Vorfreude ist groß. Täglich wird das Leben für diese Bären besser, die so lange Zeit eingesperrt und in Schmerzen leben mussten. Das Beste für sie kommt erst noch.“
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