Chinesische Apothekenketten Teil der Sticker-Kampagne gegen Bärengalle
9. Februar 2010
Über 30 Läden von vier bekannten chinesischen Apothekenketten waren heute die ersten Teilnehmer der neuen Kampagne von Animals Asia gegen den Einsatz von Bärengalle in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).
An Türen und Verkaufstresen von 33 Geschäften in Chengdu, Hauptstadt der Provinz Sichuan, befinden sich nun Aufkleber mit der Aussage: „Wir verkaufen keine Bärenteile“. Diese Läden verkaufen sowohl chinesische als auch westliche Medikamente. Hier verkauft man auch den größten Teil der Bärengalle, nicht in den TCM-Läden.
Mitarbeiter von Animals Asia aus dem Rettungszentrum für Mondbären in Chengdu haben heute die Läden der TCM-Apothekenketten Furong, Chengdu Super, Dahua und Guangpeng Pharmacies aufgesucht, um die Aufkleber zu übergeben und alle Restbestände an Bärengalle dort aufzukaufen, die anschließend öffentlich auf der Straße vor den Geschäften verbrannt wurde – was die große Aufmerksamkeit der Passanten auf sich zog.
Laut Jill Robinson MBE, Gründerin und CEO von Animals Asia, ist die die jüngste Aktion in der laufenden Kampagne „Heilen ohne Grausamkeit“ sei. Der Start zum 9. Februar wurde im Zusammen mit dem Todestag von Andrew gewählt, dem dreibeinigen Mondbären, der als erster von Animals Asia gerettet wurde. „Als Andrew im Jahr 2006 an chronischem Leberkrebs starb, schworen wir, dass sein Tod nicht vergebens sein würde. Dieser freundliche und vergebende Bär wurde das Gesicht unserer Kampagne, weil er das perfekte Symbol seiner majestätische Rasse ist und zugleich tragische Mahnung all dessen, was an der Gallenindustrie falsch ist.“
„Vielen Apotheken ist nicht bewusst, dass sie Produkte bedrohter Tierarten verkaufen. Diese 33 Läden geben ein großartiges Beispiel für den Rest ihrer Branche. Die Weigerung, Teile von Bären zu verkaufen bewahrt den Grundgedanken der TCM – Heilen in Harmonie mit der Natur“, erklärt Robinson. „Sie helfen auch mit, die Schönheit dieser höchst gefährdeten Bären für die nächste Generation zu erhalten.“
Toby Zhang, Direktor für Öffentlichkeitsarbeit bei Animals Asia sagte, dass die Dahua Apotheke sich bereit erklärte, zwei Gläser auszustellen. Eines mit der Leber eines gesunden Mondbären, das anderen mit der kranken Leber eines Bären, dem der Gallensaft abgezapft wurde. „Die Menschen sollen selbst sehen, welche Schäden das Abzapfen verursacht. Wer erkennt, wie krank diese Farmtiere sind, wird sicherlich keinen Gallensaft konsumieren wollen“, sagte Zhang.
Bereits seit ca. 3.000 Jahren wird Bärengalle in der TCM gegen Entzündungen bei „hitzigen“ Krankheiten wie Augen- und Leberleiden eingesetzt. Erst in den 80er Jahren begannen Unternehmer aus Korea und China damit, Bären in Käfige zu sperren und ihnen Gallensaft abzuzapfen. Dazu wird eine Öffnung in den Bauch geschnitten, die bis zur Gallenblase reicht. Aus dieser entzündeten Öffnung tropft die Galle. Die Bären werden in Käfigen gehalten, die kaum größer sind als sie selbst.
Die Farmer behaupten, diese von der Regierung erlaubte sogenannte frei tropfende Methode sei „human“. Doch fast 30 % der geretteten Bären mit frei tropfendem Zugang haben Abszesse im Bauch und bei den meisten ist der Gallensaft durch Eiter verunreinigt. Pathologen, die die Gallenblasen von geretteten Farmbären untersucht haben, haben vor der Verwendung der Gallenflüssigkeit dieser Tiere gewarnt.
„Nur weil sie mit Antibiotika voll gespritzt sind, bleiben diese Farmbären am Leben und produzieren trotz der zerstörten Gallenblasen noch Gallensaft. Bei einigen findet man sogar fortgeschrittene Stadien von Leberkrebs und auch diese Tiere werden am Leben gehalten, um selbst den letzten Tropfen Galle zu gewinnen“, sagt Zhang. „Dieser Gallensaft wird dann an kranke Menschen verkauft.“
Robinson, Mitglied des Komitees für Heilpflanzen des Rats der Weltföderation der Chinesischen Medizin (WFCMS) hofft, dass bald weitere Apotheken und Praktiker der TCM aus ganz China dieser Kampagne beitreten. „In chinesischen Medizinbüchern werden 54 Alternativen zu Bärengalle aufgeführt. Darüber hinaus gibt es noch viele synthetisch hergestellte Alternativen. Niemand mehr muss heute Bärengalle verwenden.“
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