Fast acht Monate dauerte die Erholungsphase für die stoischen Überlebenden der Rettungsaktion vom März 2008. Jetzt sind sie aus ihren Käfigen in ihre neuen Unterkünfte umgezogen! Was für ein aufregender und beglückender Tag für uns alle hier in Chengdu der 19. November doch war, der Tag, an dem diese tapferen Bären ihre ersten Schritte auf festem Boden machten.
Die Berichte unserer leitenden Tierärztin Heather und von Nic, dem Chef der Bärenpfleger, erzählen von diesem Moment.
Heather: Nic und ich haben beide heute ein paar Tränen vergossen und das A-Team hat sich gegenseitig gratuliert! Jeder hier hat perfekt mitgearbeitet und ist so glücklich. Die Sonne scheint und die Bären sind frei!
Jetzt ist endlich der Tag gekommen, auf den wir alle so gewartet haben – während ich das schreibe, sind unsere 12 Überlebenden in ihren Erholungskäfigen auf dem Weg von den Folienzelten zu ihren neuen Behausungen. Die Bärenpflegerin Chen und ihr Team haben die ganze Woche gearbeitet, um die neuen Unterkünfte rasch zu säubern und Leckereien vorzubereiten. Den ganzen Morgen haben sie Spielzeuge und Leckereinen ausgelegt, um unsere Bären zu Hause willkommen zu heißen. Nic, Howard, Ai und Rocky haben festgelegt, wer wohin kommt und Freunde in benachbarten Behausungen untergebracht, den scheueren und ruhigeren Tieren Unterkünfte zugewiesen, wo sie Frieden und Ruhe finden, um sich langsam an das seltsame Leben in Freiheit zu gewöhnen. Jetzt geht es los!
Als erstes kommt Gypsy, der Bär, der auch am 31. März als erster vom Lastwagen abgeladen wurde und damit passender Weise auch der erste, der nach einem Leben hinter Gittern zum ersten Mal festen Boden fühlen durfte. Die neue Umgebung verwirrt sie und sie erschrickt, als Wan Man Gun, unser Betreuer dort, mit Noddy, einem der Wachhunde vorbei geht. Doch langsam erhält ihre jugendliche Lebenslust die Überhand und sie taucht ein in ihr Wasserbassin, wo sie spielt und umherspritzt. Dann kommt Juniper in die Behausung nebenan. Sie kann ihre Aufregung nicht zurückhalten und schnappt nach ihrem Futterlaub, ihrer Futterstelle aus Bambus und nach allem, was in ihrer Reichweite ist. Sie rollt herum, und ringt spielerisch mit den Dingen. Wir wissen, es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie draußen herumtollen wird wie jeder andere Jungbär.
George, ursprünglich der kleine Howard genannt, gerät ganz nach seinem Namensgeber und ist ein verschmitzter Kerl, der gut mit anderen auskommt. Schon Minuten nach seiner Ankunft sitzt er an der Schiebetür und angelt nach Laetizia, die früher unter dem Namen Rockstar bekannt war, da sie fast zwanghaft dieses Vorbild nachahmte. Zu Tode gelangweilt, hat sie in der Bärenfarm die Unsitte entwickelt, hin- und her zu schaukeln, um sich selbst zu beruhigen. Dieses Verhalten wurde in den letzten sechs Monaten langsam immer weniger.
Selbst der blinde Wilfred (ehemals Watermelon) steigt ohne zu zögern aus seinem Käfig und geht in seine Behausung, um dort die ausgelegten Früchte und Honigleckereine zu naschen.
Jetzt sind sie alle in ihren neuen Heimen. Gypsy, Juniper, George, Laetizia, Haribo, Ronda, Egmont, Karaflas, Tanja, Tyson und Wilfred. Sie warten nur noch auf Loveykins, der zurzeit noch im Hospital ist und sich von einer Operation am Ellbogen erholt, den er sich auf der Farm verletzt hat. Das waren lange und schwierige sieben Monate: „Bei der Ankunft waren es 28 Bären. Jetzt haben wir noch 12 teure Überlebende. Viele Tränen sind geflossen und die Stimmung war oft wie auf einer Achterbahn. Doch wir hoffen, das Beste kommt erst noch – die Freigehege und die Integration. War es all die Schmerzen wert? Auf alle Fälle!
Nic: Ja, Tränen. Doch am Ende des Tages waren unsere Schritte voller Energie, Lachen war auf den Gesichtern und um die Herzen war es warm. Ich kann Heather nur zustimmen – das war wirklich all unsere Anstrengungen wert. Doch ich muss noch ein paar Worte hinzufügen zu dem, was Heather hier geschrieben hat. Es waren dieselben braven Menschen aus Sichuan, die diese Bären in der kalten Märznacht nach ihrer Ankunft von den Lastwagen luden, die sie jetzt zu ihren neuen Behausungen brachten. Damit begann auch die nächste Phase in ihrer Reise.
Die Planung und die Diskussion darüber, welcher Bär wohin kommen soll, fanden in der ganzen Gruppe mit Chen, Pan Ke und den anderen, die sich täglich seit dem Tag der Ankunft um diese Bären gekümmert haben, statt. Jeden Tag haben sie das Verhalten eines jeden Bären beobachtet und aufgeschrieben. Was er tut, seinen Appetit und später dann auch wie er sich mit seinen Nachbarn verträgt. Dazu wurden die Transportkäfige zusammengestellt. Diese Anstrengungen haben sich jetzt ausgezahlt und so konnten sie alle lächeln, als sie die Überlebenskünstler in ihren Unterkünften sahen.
Schon wenige Augenblicke nachdem sich die Türen geöffnet hatten, stieg jeder Bär zuversichtlich in sein neues Heim. Wie Heather schon erwähnte, hat das Team jedes einzelne davon schön mit Laub und Leckereien geschmückt, nicht zu vergessen die wunderbaren Spielsachen, die kein Bär zurückweisen konnte.
Gypsy war die Verkörperung der Freude. Haribo nahm die Stufen zwischen der inneren und äußeren Behausung etwas wackelig mit seinen kurzen Beinen. Doch am Ende des Tages war er da schon ganz sicher. George blieb seinem Naturell treu und neckte sich mit Laetizia durch die Schiebetür bei seiner ersten Begegnung. Doch am Ende sind beide zufrieden von der Aufregung des Tages, von dem guten Futter am Abend und sie tauschen gegenseitig freundliche Schnauber aus.
Ronda ist schon immer ein ruhiger Charakter gewesen und sitzt nun stolz an der Treppe, hinab zum äußeren Teil der Behausung. Sie schaut sich ihre neue Umgebung genau an und sieht hinaus in das Freigehege, wo sie bald auch selbst laufen und spielen wird. Karaflas ist ein Bär, der sehr unruhig sein kann. Sie hat jeden Winkel ihres neuen Zuhauses erkundet und Steinbrocken umgedreht, um an die Leckereine zu kommen. Heute konnten wir nicht beobachten, dass sie hin- und her schaukelte.
Am Ende des Tages machte ich einen letzten Rundgang. Alle sahen zufrieden aus. Egmont sammelte eifrig Stroh und Laub für sein Nachtlager. Tanja lag auf dem Rücken, kaute genüsslich und schob die Laubzweige mit ihren Pfoten umher, als sei sie schon immer hier zu Hause gewesen. Wilfred saß an der Schiebetür seiner Unterkunft und schaute heraus. Er kann nichts sehen. Daher auch seine ersten Stolperschritte in sein neues Heim. Doch er weiß, dass noch Besseres auf ihn wartet!
Das A-Team arbeitete mit ganzer Energie, um die Bären in ihr neues Heim zu bringen.
Gypsy entdeckt die Freuden des Wassertrogs in ihrer Behausung.
Juniper testet schnell ihr Hängebett und ist offensichtlich zufrieden.
George und seine neue Nachbarin Laetizia halten ein Schwätzchen.
Tanja wählt einen Aussichtsplatz an der Treppe, um den Überblick zu halten.
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