Nach langen Qualen gibt es neue Hoffnung für Stan und Iris
Stan und Iris. Seit mehr als 10 Jahren in Verzweiflung gefangen gehalten.
Stan hatte Schmerzen. Das Metallkorsett hinterließ Eindrücke auf seinem Körper. Galle sickert aus seinem Bauch.
Verzweifelt steckt Iris die Pfote aus ihrem rostigen Käfig. Hoffnungslos und voller Schmerzen.
Am Mittwoch, 6. April 2011 schaffte das Bärenmanagement Team im Rettungszentrum für Mondbären einen erstmaligen Erfolg – die Integration zweier erwachsener Braunbären. Nach Jahren unvorstellbarer Schmerzen und Qualen in einer Gallefarm ist der Lebensmut der beiden Bären wieder hergestellt und sie haben vor kurzem wunderbare neue Freunde gefunden.
Vor fast einem Jahr, Mitte April 2010, wurden bei der „Shandung Rettungsaktion“ zehn Bären aus der letzten Farm in dieser Provinz gerettet. Darunter waren zwei riesige Braunbären, die jetzt Stan und Iris genannt werden. Nebeneinander mehr als ein Jahrzehnt eingesperrt in rostigen, kahlen Käfigen, ertrugen sie die Tortur des Abzapfens von Gallensaft durch permanent eingepflanzte Katheter im Bauch. Dazu mussten sie die brutalen metallischen Korsetts tragen.
Als sich an diesem Tag die Türen ihres Gefängnisses öffneten, erschrak das Rettungsteam beim Anblick dieser Bären, die wie betäubt aus ihren Käfigen starrten. Schon lange zuvor hatten sie wohl mit dem Leben abgeschlossen. Stan litt erkennbar. Gallensaft lief aus einer offenen Bauchwunde. Sein ballgroßer Bruch war ein deutliches Zeichen dafür, wie „geschickt“ sein Katheter eingepflanzt worden war. Blut, Eiter und Gallensaft tropften ständig auf den Boden.
Bei Iris gab es eine schreckliche offene Fistel (ein Loch, das man in ihren Bauch geschnitten hatte, um an die Gallenblase zu gelangen) und einen möglichen Bruch. Die Eindrücke an ihrem zerschlagenen Körper waren der Beweis dafür, dass sie bis wenige Stunden zuvor in ein Metallkorsett gesperrt war. Auch ihre Zähne mussten dringend behandelt werden. Einer ihrer Eckzähne war bis auf den Gaumen abgeschnitten worden, ganz entzündet und angefüllt mit Essensresten.
Zurück im Rettungszentrum, nach einer Reise von vier Tagen und 2.400 km durchs ganze Land, erhielten beide Bären später die notwendigen Bauch- und Zahnoperationen. Monate der Erholung unter besonderer Beobachtung folgten, ehe sie in eigene Unterkünfte gebracht wurden.
Viele Monate vor der Zusammenführung lebten Stan und Iris in benachbarten Behausungen und durften dabei abwechselnd auch hinaus in das Freigehege. Das Bärenmanagement Team beobachtete während dessen genau, wie sie aufeinander reagierten. Alle glaubten, dass sie gut zusammenpassen würden, denn sie vertrugen sich gut.
James, der Bärenmanager, war für ihren Bereich verantwortlich und besprach sich lange mit dem Führer des Bärenteams, Ou Jun, und dessen Team sowie unseren erfahrenen Supervisoren Howard, Ai und Rocky über die Möglichkeit, Stan und Iris zusammenzuführen. Speziell Stan zeigte durch wiederholtes Nagen am Fuß und Bein, dass er frustriert und nicht unbedingt glücklich war.
Ein Plan wurde ausgearbeitet und der Tag kam. Das Team hatte langjährige Erfahrung bei der Integration von Asiatischen Schwarzbären, doch die Zusammenführung erwachsener Braunbären war eine ganz neue Herausforderung. Schläuche und Feuerlöscher waren in Bereitschaft und die Mitglieder des Teams platzierten sich an strategischen Stellen der Behausung um bereit zu sein, wenn es trotz sorgfältiger Beobachtung nicht so glatt laufen sollte, wie erwartet.
Mit Herzklopfen sah das Team, wie der Schieber zwischen den beiden Bären sich öffnete und Stan und Iris sich zum ersten Mal direkt trafen, nachdem sie jahrelang in derselben Farm gefangen gehalten waren und monatelang friedlich nebeneinander im Rettungszentrum lebten. Sehr schnell lachten alle Beobachter dieses ersten Zusammentreffens bis über beide Ohren!
Es gab zunächst viel Gegenseitiges beschnuppern und Stupser mit den Tatzen. Doch danach legte Stan seinen Kopf auf den Rücken von Iris und das Spiel begann. Die durch das Spiel dieser riesigen Bären ausgelösten Erschütterungen konnte man durch den Boden der Behausungen hindurch spüren!
Den ganzen Tag spielten und rauften sie. Manchmal ruhten sie auch und lernten schnell, die Stimmung des anderen einzuschätzen. Bei der Fütterung am Abend fraßen sie in getrennten Behausungen, doch sobald der Hauptteil der Mahlzeit vertilgt war, kamen sie wieder zusammen und schauten und teilten das Futter des anderen ohne Aggressionen.
Wieder gesund und im Freien, doch getrennt. Die Zusammenführung glaubte man, würde den beiden Bären guttun.
Am nächsten Tag durften sie in das Freigehege. Iris begann sofort mit einem Spiel und lies es nicht zu, dass Stan nach Futter suchte oder etwas fraß. Er zeigte deutlich, dass er nicht spielen wolle und fraß weiter. Dann ruhte er sich etwas aus, während Iris spielte und alleine im Pool plantschte. Er wollte einfach nicht spielen und eine leichte Aggression zeigte es Iris bald. Den Rest des Tages verschlief Stan und Iris unterhielt sich derweilen selbst.
Ein Klick auf diese Diaschau zeigt Stan und Iris zusammen.
Den Rest ihrer ersten gemeinsamen Woche kamen sie gut miteinander aus und schienen sich immer besser zu verstehen und dem anderen bei Bedarf auch Raum zu lassen. Am Ende der Woche beobachteten wir keine Aggressionen mehr und die beiden spielten gemeinsam im Pool.
Noch einige Wochen weiter freuen sich beide an der Gesellschaft des anderen, sei es in der Behausung oder im Freigehege. Stan zeigt auch kein Nagen mehr an seinem Fuß, seitdem er mit Iris zusammen ist. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Erinnerung an die Jahre in der Farm vergeht, je mehr sie sich ihres neuen Lebens erfreuen.