Hunde erschnuppern Hinweise im Kampf gegen Krebs
Von Sean Kelley
Health.com
Als Krebsforscher haben sie lustige Namen, wie Captain Jennings und Tibbs. Sie sind auch etwas struppig und haben die Angewohnheit, ihre Kollegen in den weißen Kitteln abzulecken. Doch eines Tages ermöglichen diese Hundelaboranten es vielleicht, dass Krebs früh genug erkannt wird, ehe er tödlich ist.
Die Pine Street Foundation ist ein Info- und Forschungscenter für Krebs in San Anselmo, Calif. Dort hofft man, eines Tages diese Hunde so zu trainieren, dass sie Eierstockkrebs im Frühstadium erschnüffeln können. Diese Krankheit tötet laut der amerikanischen Krebsgesellschaft zwei Drittel der 22.000 Frauen, die jedes Jahr diese Diagnose erhalten. Denn oft wird sie erst erkannt wird, wenn sie sich über die Eierstöcke hinaus ausgebreitet hat.
Im Jahr 2006 veröffentlichte die Foundation eine Studie die zeigte, dass Hunde trainiert werden können, am Geruch des Atems Patienten mit Lungen- oder Brustkrebs zu erkennen. Jetzt sucht die Organisation Patienten mit Eierstockkrebs und Hunde für eine neue Studie.
Nicholas Broffmann ist der Executive Director der Foundation und sagt, dass die Hunde helfen, wichtige Fragen zu beantworten. So wird es eines Tages vielleicht möglich sein, frühzeitig Ovarien- oder Pankreaskrebs zu entdecken. Dieser Krebsformen werden oft erst in einem späten Stadium erkannt: Riecht Krebs?
Riecht Krebs?
„Ist im Atem von Krebspatienten etwas, was sie von Menschen ohne Krebs unterscheidet?“ Broffman will es wissen. „Unser Ziel ist es herauszufinden, welche Moleküle im Atem von Eierstockkrebspatienten, solchen mit Pankreaskrebs und Lungenkrebs einmalig sind und Test zu entwickeln, um sie zu finden.“ Der Einsatz von Tieren bei dieser Suche ist nicht neu und dieser Forschungsansatz nicht so ungewöhnlich, wie es scheint. Die afrikanische Beutelratte wurde trainiert, Tuberkulose in Petrischalen zu erkennen. In einigen Beziehungen sind sie besser und erfolgreicher bei der Erkennung der Krankheit in Gewebeproben als andere konventionelle Methoden in der dritten Welt.
Auch Diabetes kann man entdecken.
Hunde, die man seit Jahrhunderten als Hilfe für Blinde oder Taube und als Begleiter für Behinderte eingesetzt hat, haben auch neue Aufgaben übernommen und warnen Epileptiker vor einem Anfall oder Diabetiker vor einem zu niedrigen Blutzuckerspiegel.
In Concord, Calif., ein paar Dutzend Meilen östlich der Pine Street Foundation, sagt Mark Ruefenacht, der Leiter von Dogs4Diabetics, dass die Verbindung zwischen dem Geruchssinn des Hundes und seiner Fähigkeit Unterzuckerung zu erkennen gut bekannt sei. Seit zehn Jahren trainiert er Hunde, um diesen Geruch bei Diabetikern zu erkennen.
„Wir kennen nicht die gesamte Wissenschaft dabei, doch wenn der Blutzuckerspiegel fällt, entlässt der Körper chemische Stoffe über den Atem, den Schweiß und auch sonst“ sagt Ruefenacht. Diese Chemikalien zeigen die Veränderung an und Hunde können das erkennen. Unterzucker hat einen Geruch, Überzucker hat einen Geruch; sogar der schnelle Wechsel im Blutzuckerspiegel hat seinen Geruch.“
Bei Diabetikern können Ketone –Substanzen, die beim Abbau von Fett vom Körper erzeugt werden – bei hohem Blutzuckerspiegel im Urin oder im Atem gerochen werden. Hunde, so Ruefenach, nehmen andere Gerüche wahr als Menschen. So, wenn der Blutzuckerspiegel sinkt.
Diese Gerüche wollen die Wissenschaftler der Pine Street Foundation und der Universität von Maine, die bei der Eierstockkrebs Studie helfen, identifizieren. Noch steht die Forschung am Anfang, doch die Forscher sind offensichtlich über die Möglichkeiten erfreut – und nicht nur sie.
In einer Fallstudie aus The Irish Journal of Medical Science vom vergangenen Jahr haben Forscher behauptet, dass ein Familienhund bei einem älteren Mann Unterzucker registriert hatte, bei dem noch nie Diabetes festgestellt worden war.
„Der Geruchssinn von Hunden ist viel besser als der von Menschen“, so der Koautor der Studie Mortimer O’Connor, M.D. vom Victory Universitätskrankenhaus in Cork, Irland. Der Geruch ist nur eine Möglichkeit, wie Hunde Änderungen wie den Blutzuckerspiegel entdecken können. Laut O’Connor schmecken sie vielleicht auch einen Unterschied auf der Haut des Patienten oder fühlen eine Veränderung der vom Körper ausgestrahlten elektrischen oder magnetischen Energie.
Ein Blick voraus
Vielleicht brauchen Wissenschaftler noch Jahre um die spezifischen Biomarker zu finden, die den Atem von Menschen mit Krebs von jenen ohne unterscheiden, ist Broffman vorsichtig – und noch mehr Jahre, um eine Krebsart dabei von der anderen zu unterscheiden.
Noch ferner: Die Entwicklung eines Geräts, das diese Biomarker aufspürt, wenn jemand hinein atmet. „Ein solches Atemuntersuchungsgerät zu haben, wäre prima“, so Broffmann. „Unser Ziel ist es herauszufinden, welche Kombination von Molekülen bei Eierstockkrebs Patienten, bei denen mit Pankreaskrebs oder Lungenkrebs einmalig sind und ob wir einen Test entwickeln können, diese zu finden. Das ist schwierige Wissenschaft.“
Denn dafür muss nicht nur ein Molekül gefunden werden – schwer genug – sondern mehrere Typen. „Zusammen riechen diese wie Krebs. Wenn wir eine Rose riechen, riechen wir auch nicht die einzelnen Moleküle, sondern unser Gehirn setzt sie alle zusammen und sagt, ‚OK, das ist eine Rose‘.“
Damit ein Computer eine solche Mustererkennung schafft, muss laut Broffmann dieses Muster extrem gut beschrieben sein. „Das ist die wissenschaftliche Herausforderung. Daher können wir vielleicht nie auf Hunde verzichten. Vielleicht sind sie immer besser darin.“
Hunde erkennen Gerüche noch bei einem Teil pro Trillion – im Vergleich einen Tropfen Tinte in einem Olympia-Schwimmbecken. Broffman: „Kein Gerät zur Geruchserkennung existiert, das auch nur in die Nähe dieses Ergebnisses kommt.“
Daher verlassen sich die Wissenschaftler bei der Früherkennung solcher Krankheiten auf vier Füße und einen Schwanz – etwas, das einmal vielleicht zum besten Freund des Krebspatienten wird.