Junger Bär Opfer von Fehlernährung und Vernachlässigung
„Zweifellos musste diese kleine Bärin lange Zeit unendlich leiden. Wir wünschen uns, wir hätten ihr früher helfen können.“
Kirsty Offizier, Leitende Tierärztin
Wieder einmal wurden uns das Leid und der Missbrauch von Tieren in der Unterhaltungsindustrie deutlich bewusst, als ein junger Bär, der von einem kleinen Zirkus in Vietnam übergeben wurde, vor unseren Augen starb. Trotz unserer Anstrengungen, die durch die extreme Vernachlässigung entstandenen Schäden zu beheben – dieses junge Mädchen bestand nur noch aus Haut und Knochen – hielt ihr Körper nicht mehr stand. Die Schäden waren einfach zu groß.
Am 24. Mai kam sie zu uns, nachdem uns der Anruf einer lokalen regierungsamtliche Rettungsstation erreichte, wo man um Hilfe für einen gerade hereingekommenen kranken Bären bat. Laut der erhaltenen Informationen und unseren nachfolgenden unabhängigen Untersuchungen war der Bär nur zwei Jahre alt und wurde von seinem derzeitigen Besitzer, einem „Trainer für Zirkustiere“, für den eigenen kleinen Zirkus gekauft.
Vor etwa zwei Monaten wurde die junge Bärin so krank, dass sie jedes Futter erbrach und sehr schwach wurde. Der Zoobesitzer suchte zuerst Hilfe bei einem Tierarzt und als das nichts half, wandte er sich an das Rettungszentrum der Regierung. Als man dort erkannte, dass dies ein sehr kranker Bär war, verlangte man, sie so bald wie möglich zu uns zu bringen.
Kirsty, die Leitende Tierärztin erklärt:
„Bei der Ankunft war dieser junge Bär, den wir einfach „Girl“ nannten, sehr schwach, hatte extremes Untergewicht und reagierte kaum. Wir entschlossen uns, ihn sofort zu betäuben und zu untersuchen. Sie wog gerade mal 16,6 kg. Unsere Weibchen desselben Alters wiegen 80 – 90 kg.
Die Untersuchung erbrachte eine schwere Dehydrierung und Auszehrung. Bluttests zeigten ein Ungleichgewicht der Elektrolyte und Veränderungen bei bestimmten Enzymen, was die Dehydrierung, den Hunger sowie das chronische Erbrechen und den Durchfall bestätigte. Wir behandelten sie so gut wir konnten, während sie betäubt war. Zwar war ihre Prognose schlecht, doch sie überlebte die Narkose und wir entschlossen uns, die Behandlung in den folgenden Tagen weiter zu führen.
Nach der Behandlung ging es Girl eindeutig etwas besser und sie war wacher und reagierte mehr. Sie freute sich an einem großen Käfig, in dem sie sich bewegen konnte, der Streu und den Rupfensäcken, um ein weiches Nest für ihren kleinen knochigen Körper zu machen – sie wurde sogar ziemlich Besitz ergreifend, wenn wir versuchten, die Säcke beim Säubern des Käfigs zu entfernen. Einige Arten von Futter interessierten sie und sie trank gut und konnte so endlich ihren Durst stillen.
Doch im Laufe der Tage wurde es immer schwieriger, ihr Erbrechen zu kontrollieren und sie wurde wieder schwach. Es gab keine andere Option als sie wieder zu betäuben, um die Behandlung mittels Spritzen fortzusetzen. Am 29. Mai ging es ihr noch schlechter und Girl verstarb, als wir sie gerade für ihre nächste Behandlung vorbereiteten.“
Achtung: Verstörende Bilder
Eine Autopsie wurde durchgeführt und ergab einen schweren Mangel an Körperfett und verkümmerte Muskeln sowie Wucherungen an der Magenwand. Die Tierärzte warten noch auf weitere Testergebnisse.
Unsere Nachforschungen ergaben auch, dass der Besitzer von Girl zwar eine falsche Ansicht hat in Bezug auf Tiere in der Unterhaltungsindustrie, sich jedoch für diesen jungen Bären einsetzte und tierärztliche Hilfe suchte. Als dies nichts half, bestand der Besitzer gegen den Rat anderer darauf, Hilfe bei dem regierungsamtlichen Rettungszentrum zu suchen, statt die kleine Girl einfach sterben zu lassen und sogar durch den Verkauf ihrer Körperteile davon noch zu profitieren.
„Insgesamt ist dies eine tragische Geschichte“, sagt Tuan Bendixsen, Direktor Vietnam. „Den Beteiligten fehlt das Verständnis für Tierschutz, obwohl sie es gut meinen. Wir können nur hoffen, dass das traurige und kurze Leben von Girl zumindest als Beispiel dafür dient, wie unangemessen und völlig unakzeptabel der Einsatz von Wildtieren in Zirkussen ist.“