Alte Bärenfreunde kommen ins Tam Dao Rettungszentrum
Es war Ende November, als eine kleine Gruppe wieder in das von der Regierung geführte Rettungszentrum Soc Son gerufen wurde, um Bären, die wir schon seit Monaten und Jahren kennen, in unser Rettungszentrum bei Tam Dao zu bringen.
Anlass für diese Mission waren die Sorgen in Soc Son über den Zustand eines erwachsenen Mondbären, der an einer schrecklichen Hautkrankheit leidet, durch die er fast ganz kahl geworden ist. Dieser Bär war schon – zusammen mit einem ihm Zeit seines Lebens bekannten Mondbärenfreund – einige Jahre in Soc Son. Wegen dieser Verbindung waren alle Beteiligte der Überzeugung, dass es im besten Interesse des Bären sei, wenn wir beide in das neue Zuhause bringen.
Baloo bei der Ankunft. Seine Haut ist dick und dunkel und er hat fast keine Haare mehr.
Doch das war erst die halbe Geschichte – denn das Team freute sich sehr, zusätzlich noch zwei Bärenwelpen mitzunehmen! Diese zwei kleinen Bären waren bei Schmugglern in der Provinz Quang Ninh beschlagnahmt worden, die sie zusammen mit Olive, unserem kürzlich erst geretteten kleinen Sonnenbären nach China bringen wollten. Doch während wir uns um den Papierkram kümmerten, mussten die beiden in Soc Son bleiben. Während dieser Zeit versorgten unsere Tierärzte und unsere Bärenteams aus Tam Dao die Kollegen in Soc Son mit speziellem Milchpulver und Rat für die Versorgung der beiden.
Jetzt sind alle hier in Tam Dao und haben ihre Namen erhalten.
Der erste gerettete Bär war Baloo, der eine schon sehr lang andauernde Hautkrankheit hat, die zu schwerem Haarausfall und Verdickung und Verfärbung von Teilen seiner Haut geführt hat. Im Lauf des letzten Jahres hat unser Tierärzteteam bei seinen Besuchen in Soc Son die Verschlechterung seines Gesundheitszustandes bemerkt. Die Arbeiter dort sagten, dass dieses Hautproblem schon seit einigen Jahren andauert und sie es so gut sie konnten behandelt haben, doch mit sehr wenig Erfolg.
Bei der Ankunft in Tam Dao sah seine Haut sehr ölig aus und roch auch nicht gut, was gewöhnlich auf eine tiefsitzende Infektion hinweist. Er war sehr gestresst und wurde nach einigen Tagen sehr träge. W bemerkten, dass er viel Wasser trank und nicht mehr fressen wollte. Daher fiel letzte Woche die Entscheidung für einen Gesundheitscheck und Tests, um die Ursache seiner Hautkrankheit herauszufinden und uns Gewissheit zu verschaffen, dass er nicht schwerwiegendere Gesundheitsprobleme hat.
Unsere Tierärzte nahmen für eine Reihe von Tests die nötigen Proben. Bislang haben sie noch keine verwertbaren Erkenntnisse, aber sie warten noch auf weitere Ergebnisse. Baloo hat auch Probleme mit den Augen. Wir sind zwar sicher, dass er etwas sieht, doch wahrscheinlich ist seine Sehkraft sehr eingeschränkt.
Hier ist ein Update von Kirsty, unserer leitenden Tierärztin:
„In der Woche nach seinem Gesundheitscheck behielten wir Baloo zur Beobachtung in der Krankenstation. Seine Fortschritte freuten uns sehr. Jetzt nimmt er regelmäßig seine Antibiotika und seine Haut sieht bereits trockener aus und riecht auch viel besser. Wir glauben noch immer, dass da eine andere Ursache dahinter steckt, doch wenn wir die oberflächliche Entzündung in den Griff bekommen, ist dies ein wichtiger erster Schritt.
Langsam wird auch sein Appetit besser und er trinkt nicht mehr so unmäßig. Wir haben ihn jetzt in den Quarantänebereich gebracht, neben seinen alten Freund Tinh Son, wo wir ihn weiter genau beobachten werden. Da er fast kahl ist, fühlt er offensichtlich die Kälte viel stärker als die anderen Bären. Deshalb bekommt er viel Stroh, aus dem er sich jede Nacht ein weiches Nest macht, um sich hineinzukuscheln.“
Tinh Song geht es gut. Es ist eins ehr ruhiger, unaufgeregter Bär. Zuerst machten wir uns Sorgen über den Zustand seiner Zähne, da er sehr bedächtig und langsam zu kauen schien. Doch im Lauf der Woche wurde auch das besser und er scheint mehr Spaß an seinem Futter zu haben. Vielleicht war er einfach nicht an so viel frisches und knackiges Futter gewöhnt! Auch Tinh Son hat Probleme mit den Augen – unsere Tierärzte vermuten voll ausgebildete Katarakte in beiden Augen – und wir glauben nicht, dass er viel sehen kann.
Unsere zwei Mondbärenjungen - Bill und Ben – haben alle schon in den Bann gezogen. Am besten beschreibt man sie als „anbetungswürdig“! Für so kleine Bären haben sie einen ausgeprägten Charakter. Die Reise und ihr neues Zuhause scheint sie überhaupt nicht bekümmert zu haben. Unsere Bärenpfleger und ihre Helfer haben für sie einen Doppelkäfig hergerichtet, der für die Dauer ihrer 45 Tage in Quarantäne ihr Zuhause sein wird.
Bill und Ben schauen von einer erhöhten Plattform aus ihrem neuen Heim hinaus.
Wir sind gespannt, was die Zukunft für diese Bären bringt und wie ihre nächsten Schritte im Erholungsprozess verlaufen werden. Bill und Ben werden in eine Unterkunft umziehen und Schritt für Schritt mit den anderen Jungbären hier im Zentrum integriert werden. Für Baloo und Tinh Son hoffen wir, dass die beiden Freunde zusammen in der sicheren und bequemen Umgebung unseres Rettungszentrums gemeinsam alt werden können, wo sie weiter die bestmögliche medizinische Versorgung und umfassende Pflege erhalten werden, die uns möglich ist.