Animals Asia fordert chinesische Behörden zum Handeln auf
Pathologen warnen vor verseuchter Bärengalle
Die Animals Asia Foundation hat die chinesischen Behörden aufgefordert, die möglichen schädlichen Nebenwirkungen durch verseuchte Bärengalle zu untersuchen. Bärengalle wird als Wundermittel in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) eingesetzt. Die Organisation hat ihre Bedenken auch an Dr.York Chow, dem Minister für Ernährung und Gesundheit in Hongkong und an die Weltgesundheitsorganisation weitergegeben.
Die bei der Organisation für die Öffentlichkeitsarbeit für China zuständige Leiterin, Christie Yang, sagt, die Entscheidung mit diesem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen hängt auch mit dem Skandal über verseuchtes Milchpulver zusammen, dem bisher schon drei Kinder zum Opfer gefallen sind und weitere 6.000 Kinder in Krankenhäuser liegen. Laut Frau Yang sind Experten von den Gesundheitsrisiken durch die Verwendung des Gallensafts von in Farmen gehaltenen Bären überzeugt. Darin konnten Kot, Urin, Blut und Eiter nachgewiesen werden.
Animals Asia hat zusammen mit Pathologen in China und Vietnam ein stetig wachsendes Dossier zusammengestellt, in dem die alarmierende Rate an Leberkrebs bei diesen Bären dokumentiert wird. Der Asiatische Schwarzbär (oder Mondbär) leidet in Gefangenschaft erst in hohem Alter an dieser Krankheit. Doch bei den aus den Farmen geretteten Tieren war bei nahezu der Hälfte die Todesursache Leberkrebs.
Die Gründerin und Leiterin von Animals Asia, Jill Robinson, fordert die Behörden auf zu untersuchen, welche Auswirkungen auf die Gesundheit der Konsumenten dieser Gallensaft hat. „Die Lebern und Gallenblasen der Bären sind oft schwer angegriffen. Der Gallensaft enthält Eiter, Blut und sogar Kotspuren. Der Galensaft eines gesunden Bären ist flüssig wie Wasser und seine Farbe liegt zwischen einem hellen Gelborange und Grün. Unsere Tierärzte beschreiben den Gallensaft bei den geretteten Bären als ‚schwarzen Schlamm’.“
Die Wirksubstanz, Ursodeoxychlorid-Säure (DUCA) wird von Ärzten der TCM bei einer Unzahl von Leiden verordnet. Von einem Alkoholkater bis zu Hämorrhoiden. Doch UDCA kann im Labor leicht rein, sauber und zuverlässig synthetisiert werden.
„Schon seit zwei Jahren machen wir die Behörden auf diesen Sachverhalt aufmerksam. Doch nichts geschieht. Wenn so viele Familien von dem Milchskandal betroffen sind, können wir nicht einfach schweigen. Hier ist ein sehr vergleichbares Szenario: Menschen, die Bärengalle als traditionelle Medizin erhalten haben ein Recht zu erfahren, was sie da einnehmen“, sagt Robinson.
Dr. Wang Shen Xian ist Pathologe in Chengdu und hat die Lebern der an Leberkrebs gestorbenen Bären untersucht. „Je mehr ich über die Entnahme von Gallensaft aus Bären erfahre, umso mehr kann ich meine Familie, meine Freunde nur vor dieser Arznei warnen. Ich persönlich glaube, wir sollten alternative Wirkstoffe einsetzen und keine Gallenflüssigkeit aus Bären verwenden….Das kann den Menschen schaden“, sagt er. Es gibt viele wirkungsvolle und preiswerte synthetische und mehr als 50 pflanzliche Alternativen dazu.
„Obwohl ich die TCM respektiere, lassen mich die Proben von den gefangen gehaltenen Bären zweifeln, ob solche Produkte wirken. Der Gallensaft der gefangenen Bären wird nur zu einem Pulver eingekocht und nicht weiter gereinigt. Dadurch werden die Verunreinigungen im Gallensaft nicht beseitigt. Wir können sehen, dass dieser Gallensaft sehr kranke Tiere macht. Können wir dieses Gallepulver auch als Medizin für Menschen verwenden, speziell wenn es bei niedrigen Temperaturen erzeugt wurde? Ich persönlich glaube, wir sollten besser Alternativen dazu einsetzen“, sagte Dr. Wang.
Auch ein vietnamesischer Pathologe sprach von großen Gesundheitsrisiken sowohl für die Bären als auch die Menschen, nachdem er die Gallenblasen von drei Mondbären untersucht hat, die durch Animals Asia aus Gallenfarmen gerettet wurden.
Dr. Dang van Duong ist Chefpathologe im Bach Mai Krankenhaus in Hanoi und sagt, dass ihn der Zustand der Bären schockiert habe. Er müsse die Patienten dringend vor der Einnahme von Gallensaft von so kranken Tieren abraten.
Dr. Duong gab seine Stellungnahme nach einer histo-pathologischen Untersuchung von Gewebeproben der Gallenblasen von drei Bären ab, denen die Gallenblase kürzlich im neuen Rettungszentrum für Mondbären von Animals Asia entfernt wurde. Die Blasenwände waren auf Grund der Gallensaftentnahme wesentlich verdickt.
Bei den Bären in den chinesischen Farmen, die noch immer legal sind, wird täglich die sogenannte „humane“ freilaufende Methode der Entnahme des Gallensafts angewendet. Eine bleibende Öffnung wird in den Bauch des Bären geschnitten und mit der Gallenblase verbunden. Eine künstliche Fistel. Zur Entnahme des Gallensafts wird ein Schlauch durchgesteckt und die Galle tropft heraus. Bei einigen Farmen kommt auch ein fest eingesetzter Katheter zum Einsatz. Doch diese Methode ist in China jetzt verboten.
In Vietnam wird die Galle mit Hilfe von Ultraschall, einer 10 cm langen Hohlnadel und einer Pumpe durchgeführt. Die Bären werden betäubt – gewöhnlich nimmt man dafür Ketamin – mit Seilen fixiert und man sticht die Nadeln wiederholt in den Bauch. Bis man die Gallenblase findet. Dann wird der Gallensaft abgepumpt.
Nach der Untersuchung der Gallenblase von einem der Bären in Vietnam und der Diagnose einer schweren chronischen Gallenentzündung sagte Dr. Duong: „Ich bin erstaunt, wie der Bär überleben konnte. Wenn dies eine menschliche Gewebeprobe gewesen wäre, wäre die Person schon lange tot.“. Die anderen Bären hatten vergleichbare Schädigungen der Gallenblase.
Dr. Duong arbeitet mit dem Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Sydney zusammen an einem Projekt für die online Pathologie zwischen der Universität Sydney, dem Royal North Shore Krankenhaus in Sydney und dem Bach Mai Krankenhaus. Seine Pathologieabteilung bietet auch seine Dienste an für das French International Hospital in Hanoi und ist ein anerkanntes Referenzlabor.
Im letzten Jahr veröffentlichten die Tierärzte von Animals Asia einen Report mit dem Titel „Risiken für Gesundheit und Wohlergehen bei Bären in den chinesischen Bärenfarmen. Speziell im Zusammenhang mit der ‚freilaufenden’ Entnahmetechnik des Gallensafts“.
Dieser Bericht ging an viele Tierschutzgruppen und Gesundheitsbehörden in China und kam zu dem Schluss: „Die Hypothese der Tierärzte von Animals Asia ist, dass ein Zusammenhang zwischen Krebs bei den Tieren in den Farmen und der durch die Gallenentnahme verursachten chronischen Entzündungen, Infektionen und Traumata besteht. Diese Hypothese wird weiter erforscht. Es müssen auch die möglichen Effekte auf Menschen, die mit Eiter und anderen Entzündungsstoffen verunreinigte Bärengalle konsumieren, beachtet werden.“
Frau Yang sagte, dass führende Mitglieder von Animals Asia in Treffen mit Behörden in Peking und Sichuan mehrmals ihre Bedenken vorgetragen haben. Die Organisation dringt auf ein weiteres Gespräch mit Behörden in Sichuan im Lauf der nächsten Woche.
Animals Asia Foundation Copyright alle Rechte geschützt 2013