Ein Neuankömmling wird auf dem Mondbären-Rettungszentrum in Chengdu abgeladen.
Die betagte „Franzi” & der behinderte „Rupert“ kuscheln!
Nun ist es doch noch Frühling geworden für unsere geretteten Bären in Chengdu: Zeit, aus ihrem Winterhalbschlaf aufzuwachen, die Spinnweben abzuschütteln und sich auf einen Sommer voller Spaß vorzubereiten. Junge Bären wie „Sunshine“, die letztes Jahr noch zu den Welpen zählten, haben sich inzwischen gut bei den großen Jungs und Mädchen eingelebt. Spielerisch ringen sie stundenlang miteinander, bevor sie sich mit einem erschöpften Schnaufer auf das Gras fallen lassen. Dagegen bevorzugen unsere betagte Bärendame „Franzi“ und ihr geistig behinderter Freund „Rupert“ eher die lauen, hellen Abende im Freien, bevor sie aneinandergekuschelt unter den Sternen einschlafen.
Trotz allem vergessen wir gerade in solchen Augenblicken nie die Bären, die wir zurücklassen mussten… Die Bauarbeiten auf unsere Station gehen fieberhaft weiter, damit wir rechtzeitig die neuen Unterkünfte und Freigehege für noch mehr Opfer des Galleabzapfens bereitstellen können. Kurz vor Weihnachten wurde eine kleine Farm geschlossen und vier gequälte, ausgezehrte Bären standen vor unserer Tür. Der blinde „Mytian“, der völlig erstarrte „Stardust“, die rehäugige „Claudia“ und der hübsche „Mandela“ – alle an Schmerzen und Angst zerbrochen, verzweifelt auf ein Ende ihrer Qualen wartend. Heute, nachdem alle die überlebensnotwendige Operation hinter sich haben, erholen sie sich gut und zeigen das Vertrauen von Tieren, die sich in Sicherheit fühlen.
„Mandela“ erhielt seinen Namen von Dr. Dame Jane Goodall CBE, die uns mit ihrem Besuch eine große Ehre erwies. Jane rührte uns alle zu Tränen, als sie die Nase des schlafenden Bären küsste und ihn „Mandela“ taufte, in Anerkennung der Fähigkeit der Bären, selbst nach so vielen Jahren in Gefangenschaft zu vergeben.
Auch Jane hat sich der wachsenden Zahl einflussreicher Menschen auf der ganzen Welt angeschlossen und gibt mit ihrer Stimme der Forderung nach Schließung der Bärenfarmen Nachdruck. Im Dezember wurde an Jill die ehrenvolle Bitte herangetragen, vor dem englischen House of Commons zu sprechen und im Januar trafen Dave Neale (AAF England), Christa Filipowicz (AAF Deutschland) und Jill Mitglieder des Europäischen Parlaments in Straßburg, um die Annahme der offiziellen EU Erklärung anzukündigen, in der die chinesische Regierung mit Nachdruck aufgefordert wird, die Bärenfarmen zu schließen. Das veranlasste die chinesische Regierung, in Peking eine hochrangig besetzte Pressekonferenz abzuhalten. Die internationale Presse, - darunter CNN, Sky News, BBC, Reuters und AFP, - berichtete darüber und brachte der Sache weltweite Aufmerksamkeit.
Unser herzlicher Dank geht an die bekannte Tierärztin Dr. Katrina Warren, die bei der jüngsten Ankunft der Bären bei uns in Chengdu zu Besuch war. In der Dezemberausgabe 2005 der australischen Zeitschrift Woman’s Weekly berichtete Katrina über dieses Erlebnis. Außerdem wird im australischen TV landesweit ein kostenfreier Werbeclip mit ihr ausgestrahlt – Danke! Hier können Sie den Clip online sehen.
Auch in China verbreitet sich unsere Botschaft lawinenartig. So kam es erst kürzlich an einer Universität in der Provinz Yunnan zu einer Veranstaltung, bei der vom Direktor über die Studenten bis hin zu den Medien alle die Schließung der Bärenfarmindustrie forderten. Dabei riefen alle unseren Slogan: „Rettet die Schwarzbären, verwendet keine Bärengalle“.
So haben wir, während bereits die nächsten gefangenen Bären erwartet werden, diese Industrie dem längst überfälligem Ende einen Schritt näher gebracht.
Dabei vergessen wir nie Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung – und dass Bären wie „Sunshine“ (der einen langen Weg hinter sich hat, seitdem wir ihn aus der kleinen Wohnung in Chengdu herausholten, wo er mit einer tiefen Schlingenwunde rund um seinen Bauch auf einer Couch zusammengekauert lag – von hier sollte er auf direktem Weg auf eine Bärenfarm), auf uns angewiesen sind, um ihren ersten Frühlingsbeginn zu erleben.