PEKING DEUTET BESSERE ZUKUNFT FÜR GEFANGENE MONDBÄREN AN
Moosburg, 6. Jun 2006 - Der leitende Beamte des Staatlichen Chinesischen Ministeriums zur Erhaltung wild lebender Tiere sprach mit Neil Parish, einem britischen EU-Parlamentarier, über seine Hoffnung, die Bärenfarmen in China für immer zu schließen.
Der Leiter des Ministeriums, Zhu Rongsheng, äußerte gegenüber dem EU-Parlamentarier, er „träume von dem Tag“, an dem die Bärenfarmen geschlossen werden. Gleich nach dem Meeting in Peking informierte Neil Parish die Animals Asia Foundation (AAF), die für eine Beendigung dieser barbarischen Praxis kämpft, über das Gespräch.
Neil Parish, der erst vor Kurzem eine Erklärung des Europäischen Parlaments über die Abschaffung der Bärenfarmen initiierte, traf auch andere hochrangige Beamte in Peking, um sie über die ablehnende Haltung des Europäischen Parlaments gegenüber Bärenfarmen zu informieren. Das EU-Parlament fordert die chinesischen Behörden auf, die grausame und abstoßende Praxis der Bärenfarmen als ungesetzlich zu erklären.
Jill Robinson, Gründerin und Vorsitzende der AAF, begrüßte die Nachricht von Neil Parish als sehr ermutigend für die Arbeit von AAF. Sie fügte hinzu, dass erst im Mai Mitglieder des Nationalen Volkskongresses die Rettungsstation von AAF in Chengdu besucht und versprochen haben, die Anstrengungen von AAF, die Bärenfarmen bis zu den Olympischen Spielen 2008 zu schließen, zu unterstützen.
Nach offiziellen chinesischen Schätzungen gibt es ca. 7.000 Bären, die auf 68 Farmen des Landes in winzigen Käfigen ihr Dasein fristen. AAF hat mit den Behörden in Sichuan ein Abkommen über die Rettung von 500 gefangenen Mondbären getroffen und bis heute 205 Bären in China gerettet. Davon haben 169 überlebt und befinden sich nun auf der Rettungsstation in Chengdu.
Neil Parish, der gerade die Station besucht hat, erklärte, dass die chinesische Regierung ihm versichert habe, alles zu tun, um die Bärengalle-Industrie zu regulieren und auch die Behauptung wiederholt habe, dass die neue „frei tropfende“ Methode der Galleextraktion für die Bären relativ schmerzlos sei. Neil Parish akzeptierte die Behauptung der Kontrolle der Bärenfarmen nicht und wies darauf hin, dass weder eine permanente Öffnung noch die Kathetertechnik jemals als human akzeptiert würden.
„China hat erklärt, dass pflanzliche Alternativen zur Bärengalle erst noch gefunden werden müssen, bevor man auf die Galle verzichten könne. Aber wir wissen, dass es zahlreiche Kräuter gibt, die die gleiche Wirkung haben wie Bärengalle. Ich werde alles tun, um der chinesischen Regierung den wissenschaftlichen Beweis dafür zu liefern“, sagte Parish.
„Das Team auf der AAF-Rettungsstation in China hat in nur wenigen Jahren einen großartigen Job geleistet. Mit Unterstützung der chinesischen Regierung ist es ihnen gelungen, für mehr als 200 Bären ein neues und besseres Leben zu schaffen. Mein Besuch auf der Rettungsstation hat meinen Entschluss gestärkt, dafür zu sorgen, dass noch mehr Bären in die Obhut von AAF übergeben werden.“
„China ist ein großer Handelspartner der Europäischen Union und wir müssen unseren Einfluss geltend machen, die Chinesen zu einer Beendigung dieser Gewohnheit zu ermutigen. Ich bin überzeugt, viele Menschen in China möchten ein Ende dieser Grausamkeiten und viele Regierungsvertreter haben mir versichert, dass sie uns in dieser wichtigen Angelegenheit unterstützen werden“ erklärte Parish weiter.
„Die Zeit der Träume ist vorbei. Ich bin überzeugt, es gibt inzwischen so viel Unterstützung, dass die chinesische Regierung einfach handeln muss“, sagte Jill Robinson. „Die Olympischen Spiele könnten zu einem Meilenstein für das Land werden. Die Verpflichtung der Regierung zu ‚Grünen Spielen’ schließt ‚Harmonie und Einigkeit zwischen Mensch und Natur’ ein. Dies gibt uns die perfekte Gelegenheit, diese Haltung dem Leid von 7.000 gefangenen und leidenden Bären gegenüber zu stellen. Die Regierung hat uns bislang sehr bei der Rettung geholfen – aber viele Farmen versuchen, uns mit Behauptungen von der angeblichen Humanität dieser Industrie zu täuschen.“
AAF wurde erst kürzlich mit der wachsenden Forderung einiger Farmer konfrontiert, ungeheuerlich hohe Summen als Gegenleistung für die Freilassung ihrer Bären zu zahlen. Diese Farmer weigerten sich sogar, ihre Lizenzen zurück zu geben – eine Bedingung des historischen Abkommens, das AAF im Jahr 2000 mit den Behörden vereinbart hat.
Aber, so Jill Robinson, AAF werde sich der Gier der Farmer nicht beugen: „Wir werden keine Kompensation leisten, die höher als der Marktwert für diese Bären liegt. Und wir werden darauf bestehen, dass die Originallizenzen weiterhin sichergestellt werden. Wir sind auch in Zukunft gewillt, faire Abfindungen an die Farmer zu zahlen, um ihnen eine neue Einkommensquelle zu ermöglichen und um zu verhindern, dass die Bären auf dem Schwarzmarkt wegen ihrer Galle, ihres Fleisches und ihrer Tatzen verkauft werden.“
„Indem wir diese Lizenzen sicherstellen (wie schon in der Vergangenheit), stellen wir die völlige Schließung der Farmen sicher. Ohne Lizenzen würden wir den Farmern lediglich die Mittel geben, ihre Farmen weiterzuführen und auszubauen. Wir würden ihnen dadurch erlauben, legal weiterzuarbeiten und sogar neue Bären zu erwerben. Um all das zu vermeide, lehnen wir ihre derzeitigen Forderungen ab“, so Robinson weiter.
„Wir arbeiten nun mit Nachdruck auf ein Meeting mit Zhou Rongsheng in Peking hin. Wir sind davon überzeugt, dass – sobald seine Stellungnahme gegenüber Neil Parish bestätigt und öffentlich bekannt wird, - die Farmer die Vergeblichkeit ihrer Gier erkennen und unsere Position in den Verhandlungen um die Schließung weiterer Farmen gestärkt sein wird.“
Inzwischen haben auf ein Hilfeersuchen der chinesischen Regierung hin sieben neue Bären auf der Rettungsstation ein neues Zuhause gefunden. Sechs Mondbären – darunter ein 18 Monate alter Welpe – und ein Sonnenbär erholen sich hier von einem Siechtum in einem Zoo in Sichuan, der kürzlich wegen finanzieller Probleme geschlossen werden musste.
„Da Bären als wertvolle Ressourcen angesehen werden, mussten wir befürchten, dass sie ohne unsere Hilfe auf einer Bärenfarm enden würden, um dort wegen ihrer Galle gemolken zu werden. Daher stimmten wir bereitwillig zu, die dreitägige Reise zu unternehmen und die Bären in die Sicherheit der Rettungsstation zu bringen. Drei der Bären sind ehemalige Farmbären – einer von ihnen trug noch immer den schmutzigen Metallkatheter, der grob in den Bauch eingesetzt wurde. ‚Angel’ geht es inzwischen gut, sie hat die große OP zur Entfernung des Katheters bereits hinter sich. Auch alle anderen Bären werden überleben.“
Eine zweite Rettungsaktion wurde in Vietnam gestartet – dort sind Bärenfarmen illegal – und AAF arbeitet hier an der Rettung von 50 Farmbären, die im Oktober auf eine neu entstehende Rettungsstation von AAF übergeben werden. Die vietnamesische Regierung unterstützt das Projekt und hat die Freilassung von 200 Bären versprochen, die in die Obhut von AAF übergeben werden sollen.
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